Reporting at A Swiss Watson [watson.ch], or so it seems.
Als der 22-jährige Elliot Rodgers im Mai 2014 mit drei halbautomatischen Pistolen und zwei Messern in der kalifornischen Studentenstadt Isla Vista sieben Menschen tötete, begann eine neue Zeitrechnung. Rodgers setzte seinem Leben nach einer Verfolgungsjagd mit einem Kopfschuss ein Ende, aber sein Vermächtnis lebt weiter – in Online-Foren, in Youtube-Kommentarspalten und auf obskuren Blogseiten.
Der Begriff «Incels» – involuntary celibate, unfreiwillig zölibatär – existiert zwar schon seit den frühen 90er-Jahren, Prominenz erfuhr er aber erst durch Elliot Rodgers und seine Epigonen. Am 23. April stieg der 25-jährige Alek Minassian in der Innenstadt von Toronto in einen weissen Minivan und fuhr zehn Menschen zu Tode. Kurz zuvor leistete er auf Facebook Elliot Rodgers einen Treueeid und kündigte die Rebellion der Incels an:
«Private (Recruit) Minassian Infantry 00010, wishing to speak to Sgt 4chan please. C23249161. The Incel Rebellion has already begun! We will overthrow all the Chads and Stacys! All hail the Supreme Gentleman Elliot Rodger![7][34]»
Die Kriegserklärung richtete sich an die «Chads» und «Stacys», im Vokabular der Incels die Bezeichnungen für erfolgreiche, gutaussehende, muskulöse Männer und oben üppige, aber schmal taillierte junge Frauen. Chads und Stacys, sind Incels überzeugt, sind aufgrund ihres Äusseren bei der Partnersuche nicht nur bevorteilt, sie teilen sich den ganzen Kuchen untereinander auf. Und selbst die nicht ganz so attraktiven Frauen, die «Beckys», stehen nur auf die sogenannten Alpha-Males. Die Nerds, die Brillenträger, die Schmalbrüstigen und die Schüchternen gehen leer aus. Looks matter, das Aussehen ist alles.
Das ist das Narrativ der Incels, das nicht nur von ihnen selber verbreitet wird, sondern auch in zahlreichen Medienberichten Anklang findet und im Netz mit zahlreichen pseudowissenschaftlichen Argumenten untermauert wird. Zum Beispiel mit der Hypergamie-Theorie, die besagt, dass der Sozialstatus bei der Partnersuche der entscheidende Faktor ist. Oder mit der verwandten 80/20-Theorie: Demnach wollen 80 Prozent der Frauen nur 20 Prozent der Männer daten. Die Folge? 80 Prozent der Männer müssen sich potentiell auf ein Leben ohne Partnerin, beziehungsweise auf ein Leben ohne Sex einstellen.
Auch du Lieber! That's a lot!