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„Alt-Right” und neue Medien: Zur Norma­li­sie­rung rechts­po­pu­lis­ti­scher Propa­ganda

Rejected submission by aristarchus at 2020-02-20 08:01:36 from the Rechtpopulistschiezencher. dept.
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Geschictedergengenwart, like, in your face, takyon! And, censorship is evil, janrinok!

Die Geschichte der 10er Jahre wird noch zu schreiben sein, aber im Rück­blick auf die poli­ti­sche Kultur des eben vergan­genen Jahr­zehnts wird die Ausein­an­der­set­zung mit einem Begriff unum­gäng­lich sein: Es war das Jahr­zehnt der „alt-right.” Kurz vor Beginn des Jahr­zehnts als Gegen­pa­role gegen bestehende „neo-” und „paleo­kon­ser­va­tive” Strö­mungen in den USA ins Feld geführt, fing das Wort im Laufe der folgenden Jahre Feuer und verur­sachte vor allem im Netz Flächen­brände. Unter dem Begriff der „alt-right” firmierten Atta­cken auf weib­liche gamer, die Mobi­li­sie­rung der „manos­phere” gegen jegliche Form des Femi­nismus oder „meme wars” gegen den vermeint­li­chen „cultural Marxism” in entspre­chenden Inter­net­foren. Es entstanden im Laufe des Jahr­zehnts ganze Netz­-werke von neurechten „alter­na­tive influ­en­cers,” die in den ameri­ka­ni­schen „culture wars” verschärft Posi­tion bezogen.

Ya.

Es formierten sich neue iden­ti­täre Grup­pie­rungen wie etwa die „Proud Boys” oder „Iden­tity Evropa” (heute „American Iden­tity Move­ment”) und die verschie­denen euro­päi­schen Spiel­formen der géné­ra­tion iden­ti­taire. Mit den kursie­renden Ideo­lo­gemen der „alt-right” iden­ti­fi­zierten sich Terro­risten in Texas, Kali­for­nien und Neusee­land, und die glei­chen ideo­lo­gi­schen Versatz­stücke mobi­li­sierten im Mai 2017 in Char­lot­tes­ville Anhänger unter dem Slogan „Unite the Right” zur öffent­li­chen Demons­tra­tion – mit tödli­chem Ausgang. Ja, letzt­end­lich fällt auch der Wahl­sieg eines Donald Trump unter das Sigel der „alt-right.”

Spätes­tens zu diesem Zeit­punkt aber, also um die Mitte des Jahr­zehnts, hätte sich die Frage aufge­drängt, was an der „alt-right” eigent­lich noch „alt” – also alter­nativ – war, schien doch mit dem Wahl­sieg der Marsch durch die Inter­net­zonen „from 4chan to the White House“ zum Abschluss gekommen und die popu­lis­ti­sche Rechte im Zentrum der Macht ange­langt zu sein. Aus der „alt-right” war die neue Rechte geworden, der Unter­schied zwischen „right” und „alt-right” scheint verschliffen. So ließe sich auch der deut­liche Rück­gang der Google-Suchanfragen zu „alt-right” nicht etwa als Abflauen der Bewe­gung erklären, sondern als deren erfolg­reiche Beset­zung des poli­ti­schen Main­streams.

Der Begriff der „alter­na­tiven” Rechten
Später lesen?
Zwar gibt es einige gute Gründe, am Begriff der „alt-right” fest­zu­halten. So bezeichnet dieser nach wie vor eine poli­ti­sche Diffe­ren­zie­rung vor allem vom vorma­ligen rechten Main­stream – in den USA also vor allem von tradi­tio­nellen, konser­va­tiven Repu­bli­ka­nern, aber auch von den wirt­schafts­li­be­ralen „neocons” von Reagan bis G.W. Bush –, gegen die der Begriff der „alt-right” 2008 von Richard Spencer geprägt wurde. Vom tradi­tio­nellen, von rassis­ti­schen Tendenzen aller­dings keines­wegs freien rechten Spek­trum weicht die „alt-right” auch in ihrem unver­hoh­lenen Ethno­zen­trismus ab, weshalb zum Beispiel Alex­andra Stern in ihrem neuen Buch zu dem Thema am Begriff „alt-right” fest­hält. Hinzu tritt die trans­at­lan­ti­sche, ja trans­na­tio­nale Anschluss­fä­hig­keit an andere „Alter­na­tiven,” ob für Deutsch­land, för Sverige, oder sonstwo. Vor allem aber konno­tiert die Prägung „alt-right” nach wie vor eine poli­ti­sche Struktur, die ohne Internet und soziale Medien nicht denkbar wäre: Diese medialen Struk­turen und Möglich­keiten bildeten im Jahr­zehnt der „alt-right” den Nähr­boden, auf dem sich deren dezen­tralen Netz­werke ausprägen konnten. Anonyme message boards wie 4-chan und 8-chan, Platt­formen wie YouTube, deren Algo­rithmen schon aus betriebs­öko­no­mi­schen Gründen die poli­ti­sche Radi­ka­li­sie­rung begüns­tigen, leicht mani­pu­lier­bare Foren wie Face­book und Twitter, denen Jessie Daniels eine struk­tu­relle Affi­nität zur „white supre­macy” nach­ge­wiesen hat: Sie alle machen das Biotop aus, in dem sich in der Tat „alter­na­tive” Formen zur tradi­tio­nellen Rechten heraus­bilden konnten.

Neue Schlag­worte und neue Konturen
Dennoch scheint der Begriff „alt-right” in letzter Zeit sowohl an Bindungs- wie an Spreng­kraft verloren zu haben. Nach dem Tod der Gegen­de­mons­trantin Heather Heyer in Char­lot­tes­ville versuchten einige promi­nente Vertreter der US-amerikanischen „alt-right”, sich von dem Begriff (wenn auch nicht von den damit bezeich­neten ideo­lo­gi­schen Posi­tionen) zu distan­zieren und, wie Stern fest­stellt, zu dezen­tralen Formen poli­ti­scher Orga­ni­sa­tion im Netz zurück­zu­kehren. Hier werden inzwi­schen andere Schlag­worte ins Feld geführt, unter denen das poli­ti­sche Projekt fort­ge­setzt werden und neue Konturen gewinnen soll – sei es als „Iden­ti­täre”, als unver­blümte „Natio­na­listen” oder (genauer) als „Ethno­na­tio­na­listen”, als „affir­ma­tive right” oder gar als „dissi­dent right.”

Nicht zufällig erin­nert letz­terer Begriff, der unter anderem im rechts-intellektuellen Umfeld von Greg John­sons Publi­ka­ti­ons­platt­form Counter-Currents favo­ri­siert wird, an ehemals linke Posi­tionen. Explizit und stra­te­gisch ist die neue Rechte bestrebt, genau jene poli­ti­schen Formen zu kapern und zu beerben, welche die neuen sozialen Bewe­gungen seit den 1960er Jahren ausge­prägt hatten (ein infor­ma­tives Hand­buch über die euro­päi­schen „Iden­ti­tären” beschreibt dies mit den Begriffen der „Mimikry” und der „Retor­sion”): Viele Stra­te­gien der Iden­ti­tären unter­scheiden sich von APO-happenings der späten 60er Jahre wie Pudding-Attentaten, der Spren­gung von Vorle­sungen oder dem Anbringen von Spruch­bän­dern im öffent­li­chen Raum nur hinsicht­lich des neuen Verstär­ker­ef­fekts der sozialen Medien.

Umdeu­tung demo­kra­ti­scher Grund­be­griffe
Weitaus perfider ist aller­dings die Umdeu­tung demo­kra­ti­scher Grund­be­griffe von links- in rechts­al­ter­na­tive Parolen, die unter dem Deck­mantel seman­ti­scher Anleihen die ehemals progres­siven, demo­kra­ti­schen Gehalte durch rassis­ti­sche ersetzen. Diese Tendenz hat ihre Vorläufer in der Inte­gra­tion sozia­lis­ti­scher Elemente zumal in den deut­sche Faschismus, oder etwa in Henning Eich­bergs Prägung eines Begriffs wie Ethnop­lu­ra­lismus in den 1970er Jahren, welcher dann von der Nouvelle Droite um Alain de Benoist aufge­griffen und verwendet wurde. Diese quasi beiläu­fige Spezi­fi­zie­rung von Plura­lismus unter ethni­schen Vorzei­chen hat nun die „alt-right” über­nommen.

William Lind und Donald Trump; Quelle: theamericanconservative.com

Im Namen von Viel­falt werden rassis­ti­sche Formen sozialer Aus- und Abgren­zung propa­giert – die unter anderem in einschlä­gigen science fiction Romanen der „alt-right” von William Pierce’s Turner Diaries bis William Lind’s Victoria durch­ge­spielt werden.

Deren Gewalt­phan­ta­sien entlarven die vorgeb­lich anti-hierarchische Vision eines plura­lis­ti­schen Neben­ein­ander der Ethnien ebenso wie den Sozi­al­dar­wi­nismus der avisierten demo­gra­phi­schen Expe­ri­mente. Diese werden dann noch mit rheto­ri­schem Augen­zwin­kern biolo­gis­tisch ausge­baut, etwa wenn sich die „alt-right” mit der Rede von „human biodi­ver­sity” selbst auf den Schutz von Arten­viel­falt bezieht (aber den Schutz einer weißen „Rasse” vor dem angeb­lich bevor­ste­henden „grand repla­ce­ment” meint). Diese Flos­keln sollen ebenso wie der verbrei­tete und verharm­lo­sende Slogan „it’s OK to be white” dazu dienen, die unüber­seh­baren faschis­ti­schen Inhalte (Rasse, Lebens­raum, Hier­ar­chie, Demo­kra­tie­feind­lich­keit) durch den Verweis auf scheinbar unver­fäng­liche, ja demo­kra­tie­freund­liche Begriffe von Plura­lität und Diver­sität glaub­haft abzu­streiten.

Ange­sichts dieser rheto­ri­schen Anleihen und stra­te­gi­schen Über­schnei­dungen bezüg­lich progres­siver demo­kra­ti­scher Posi­tionen ist es kaum verwun­der­lich, dass einige neue Rechts­in­tel­lek­tu­elle dem eher deskrip­tiven Präfix „alt” ein pole­mi­sches „dissi­dent” vorziehen – womit gleich­zeitig deren Verein­nah­mung durch jegli­ches poli­ti­sches Estab­lish­ment vorge­beugt werden soll. Dieser Tendenz steht, eben­falls in Entspre­chung zur Geschichte der Linken, vor allem im euro­päi­schen Kontext ein Prozess gegen­über, der an den langen Marsch der ehemals außer­par­la­men­ta­ri­schen Oppo­si­tion der 60er Jahre durch die Insti­tu­tionen gemahnt – die AfD, die briti­sche UKIP oder das fran­zö­si­sche Rassem­ble­ment National bieten einschlä­gige Beispiele für den Erfolg dieser Stra­tegie von rechts.

Durch­set­zung
Nun spielt die „alt-right” für die rechts­po­pu­lis­ti­schen Parteien in Europa auf den ersten Blick eine unter­ge­ord­nete Rolle (ein zweiter Blick würde sich jedoch lohnen). Wenn aber der Eindruck stimmt, dass auch auf der anderen Seite des Atlan­tiks nicht nur die Such­an­fragen, sondern auch die Verwen­dung des Begriffs „alt-right” rück­läufig sind, sollten wir uns zur Begrün­dung nicht mit den Selbst­aus­sagen derer begnügen, die ein stra­te­gi­sches Inter­esse daran haben, die poli­ti­sche Semantik neu zu besetzen. Legen solche Versuche einer Neube­stim­mung – ob als ethno­na­tio­na­lis­tisch oder dissi­dent – zumal nach Char­lot­tes­ville das Einge­ständnis poli­ti­scher Fehler nahe, so scheint mir aller­dings das Gegen­teil der Fall zu sein. Die tenden­ziell rück­läu­fige Verwen­dung von „alt-right” zur Bezeich­nung rechts­po­pu­lis­ti­scher Ener­gien ist ein Index ihrer Durch­set­zung.

Die Räume, welche die „alt-right” im Netz und in den sozialen Medien besetzten, haben mate­ri­elle Eigen­dy­na­miken: die medialen Möglich­keiten sind in erster Linie tech­no­lo­gi­sche, die zugrunde liegenden Inter­essen ökono­mi­sche. Der dort ausge­tra­gene Kampf aber ist poli­tisch. Genauer: Er ist, wie es Vertreter der „alt-right” gerne ausdrü­cken „meta­po­li­tisch.” Es geht, wie die „alt-right” frei­mütig einge­steht und die säch­si­sche AfD plaka­tiert, um die Erobe­rung von Diskur­s­ho­heit.

Andrew Breit­bart; Quelle: washingtonpost.com

Andrew Breit­bart, Vordenker der „alt-right” und Gründer eines ihrer wich­tigsten Sprach­rohre, hat für diesen Kampf die Floskel geprägt „poli­tics is down­stream from culture” – wer strom­auf­wärts Einfluss auf die Kultur ausübt, bestimmt den poli­ti­schen Main­stream. Es kommt also, um die Welt zu verän­dern, doch darauf an, sie zunächst anders zu inter­pre­tieren. Frei nach Antonio Gramsci, den die „alt-right” sich wie schon de Benoist von der Nouvelle Droite in den 1970er und 80er Jahren im glei­chen Atemzug aneignet, in dem sie ihn als „cultural Marxist” verteu­felt, geht es um die Beset­zung hege­mo­nialer Posi­tionen im Stel­lungs­krieg um kultu­relle Macht.

Norma­li­sie­rung
Die 10er Jahre lassen sich aus dieser Perspek­tive rück­bli­ckend als diskurs­po­li­ti­sche Erfolgs­ge­schichte der „alt-right” lesen. Im selben Maß, in dem einer­seits deren führende Köpfe, von Richard Spencer über Milo Yianno­poulos bis Steve Bannon, an persön­li­chem Einfluss verloren (wenn auch nur um diesen, wie Bannon, auf der euro­päi­schen Seite des Atlan­tiks wieder aufzu­bauen), haben sich ihre Provo­ka­tionen im medialen Diskurs norma­li­siert. In der Sprache der Rechten hat sich das „overton window” des Sagbaren inzwi­schen so verschoben, dass vordem als extre­mis­tisch tabui­sierte Begriffe und Meinungen – etwa zum „Ethno­na­tio­na­lismus,” zur „Inva­sion” durch Migra­tion, zur „WQ” (women ques­tion) oder gar zur „JQ” (Jewish ques­tion) – in den medialen Sprach­ge­brauch einge­gangen sind. In Deutsch­land sind mit der AfD Teile der Bevöl­ke­rung poli­tisch durch promi­nente Abge­ord­nete wie Alice Weidel vertreten, die unge­hemmt „alt-right”-Verschwörungstheorien über einen nun einge­deutschten „Kultur­mar­xismus” verbreiten. Diskurse, die zunächst auf 4chan und 8chan geschürt wurden, sind mitt­ler­weile auf die soge­nannten „main­stream media” über­ge­sprungen.

Die Rolle der Medien
Das Para­de­bei­spiel hierfür ist sicher­lich Fox News, nach wie vor der führende Nach­rich­ten­be­treiber im Kabel­fern­sehen, der in der Trump-Ära kaum anders denn als Staats­fern­sehen zu bezeichnen ist. Der Sender hat nicht nur jegliche Distanz zu Regie­rungs­or­ganen, geschweige denn zu Trumps twitter-feed aufge­geben, sondern auch jegliche Abgren­zung zum Inter­net­dis­kurs der „alt-right” auf 4-chan und YouTube. So werden etwa die wirren Mani­feste, welche die Atten­täter von Christ­church, Poway, El Paso und anderswo auf 4chan und Face­book veröf­fent­lichten, in Nach­rich­ten­sen­dungen auf Fox kaum entwirrt – im Gegen­teil, der Sender hat sich längst die Sprache der Atten­täter anver­wan­delt.

Tucker Carlson, Fox News; Quelle: mediamatters.com

Laura Ingraham auf Fox News, 2019; Quelle: mediamatters.org

Tucker Carlson und Laura Ingraham bedienen sich in den Mono­logen, mit denen sie allabend­lich ihre massiv popu­lären Shows beginnen, der glei­chen Begriffe und Phrasen wie die Atten­täter und leisten deren Verschwö­rungs­theo­rien Vorschub: Die USA sei an der mexi­ka­ni­schen Grenze einer latein­ame­ri­ka­ni­schen „Inva­sion” ausge­setzt; weiße US Ameri­kaner stünden deshalb unmit­telbar vor dem demo­gra­phi­schen Abgrund eines „cultural and ethnic repla­ce­ment” – ein Ideo­logem, das in Frank­reich vom Verschwö­rungs­theo­re­tiker Renaud Camus geprägt und dann in Char­lot­tes­ville mit tödli­chen Folgen skan­diert wurde.

Aber auch in den sozialen Medien zeichnen sich die mainstreaming-Erfolge der „alt-right” ab, etwa wenn sich Twitter inzwi­schen außer Stande sieht, den weißen Supre­ma­tismus einzu­dämmen. Zwar lassen sich, wie Twit­ters Vorgehen gegen den IS im Netz zeigt, Algo­rithmen entwi­ckeln, welche die Verbrei­tung von Hass und Hetze eindämmen. Doch der Versuch, solche Algo­rithmen auch für den ethno­na­tio­na­lis­ti­schen, rechts­ex­tremen Terro­rismus zu entwi­ckeln, schei­terte, weil zu viele Twit­ter­konten im repu­bli­ka­ni­schen Main­stream, darunter auch solche von Abge­ord­neten der Partei, in die Fang­netze geraten wären: Jeder denk­bare Algo­rithmus zum Aufspüren und Entfernen entspre­chender Tweets, stellten Mitar­beiter bei Twitter fest, hätte unwei­ger­lich zu einem auto­ma­ti­schen Ausschluss von repu­bli­ka­ni­schen Partei­mit­glie­dern geführt – was auch nicht im geschäft­li­chen Inter­esse eines Medi­en­kon­zerns läge, dessen ökono­mi­sche Macht auf der Akku­mu­la­tion von Accounts, Clicks und Retweets beruht.

Trump als Symptom

Trump-retweet, 2015; Quelle: bbc.com

Trumps Wahl­sieg ist daher auch inso­fern ein Erfolg der „alt-right,” als deren Rassismus nun regie­rungs­fähig geworden ist. Der anti-muslimische Vorstoß gegen Einreisen aus isla­mi­schen Ländern war hierfür nur ein früher Vorbote, und auch Trumps Retweets briti­scher rechts­ex­tremer Videos und Bilder führender Politiker*innen in diffa­mie­render Absicht sind bloße Symptome der struk­tu­rellen Veran­ke­rung des weißen Supre­ma­tismus in der US-Regierung und deren Medi­enst­ra­te­gien. Ein Präsi­dent, dessen twitter feed nach­haltig im verschwö­rungs­theo­re­ti­schen Milieu vernetzt ist, kann kein poli­ti­sches Inter­esse daran haben, rechts­ex­tremen Terro­rismus zu thema­ti­sieren oder konse­quent zu verfolgen. Denn das bedürfte der Distan­zie­rung vom Rassismus der „alt-right”, woran aller­dings ausdrück­lich kein Inter­esse besteht („[white supre­macism] is not some­thing this admi­nis­tra­tion is comfor­table speaking out against” – so ein ehema­liger Mitar­beiter der Regie­rung Trump, der damit zu erklären versuchte, warum das Minis­te­rium für Heimat­schutz sich sträubt, den „domestic terro­rism” zur stra­te­gi­schen Prio­rität zu erklären).

Mit solchen State­ments, mit der naht­losen Rück­kop­pe­lung zwischen Fox News und Trumps Twit­ter­netz­werken, und Dank der poli­ti­schen Unfä­hig­keit, ihrer Verbrei­tung im Netz Einhalt zu gebieten, ist die „alt-right” im Main­stream ange­langt. Die Geschichte wird wie gesagt noch zu schreiben sein, sie sollte sich aber von den seman­ti­schen Verwirr­spielen der „alt-right” ebenso wenig leiten geschweige denn hinters Licht führen lassen, wie vom vorder­grün­digen Abflauen des Begriffs, unter dem die neuen Rechten zumal im engli­schen Sprach­raum – und damit auch im globalen Netz – zu Beginn des Jahr­zehnts ange­treten waren. Ange­sichts der dezen­tralen Formen poli­ti­scher Orga­ni­sa­tion im Netz verliert die dafür geprägte Bezeich­nung „alt-right” in dem Maße an Gewicht, in dem deren Inhalte sich gesell­schaft­lich durch­setzen.

Das vergan­gene Jahr­zehnt begann mit der Kür von „alter­na­tivlos” zum Unwort des Jahres; es endet mit nach­hal­tigen Erfolgen einer als „alter­nativ” konno­tierten neuen Rechten (nicht nur) im Netz. Diese nicht alter­na­tivlos wirken zu lassen wird eine der dring­lichsten poli­ti­schen Aufgaben für die 20er Jahre sein.

Crap, paywalled just when it was getting interesting. Well, at least the German presse is not as bad a SoylentNews in censoring news exposing the alt-right as idiots, even though they do have laws against Nazi propaganda, and TMB.


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